Memorial Park Housen

10.11.1944 - Hesperingen

Todesursache: Panzerfaust

Hesperingen, 10. Nov. Alle Warnungen der Presse, dass der Umgang mit Waffen und Munition meistens mit Lebensgefahr verbunden ist, sind bis jetzt leider fruchtlos geblieben. So fanden wiederum am Mittwoch zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags die beiden etwa 8-jährigen Knaben Pierrot Veisse, Sohn des Hüttenarbeiters Lucien Veisse und Armand Hoffmann, Sohn des Eisenbahners Franz Hoffmann, im Walde am Ort. gen. „im Grund” einen Sprengkörper gen. „Panzerfaust”, den sie, wie sie erklärten, an die Amerikaner in Hesperingen abliefern wollten. Unterwegs gesellten sich den beiden Knaben 2 weitere Knaben sowie 2 Mädchen hinzu. Es waren dies der 9-jährige Alfons Jacoby, der gleichalterige Ady Deville, Sohn des Hüttenarbeiters Karl Deville, dessen 5-jähriges Schwesterchen Flavie Deville sowie die 4-jährige Jeanny Schütz, Tochter des Ackerers Albert Schütz, alle aus Hesperingen. Als die Kinder nun am sogen. „Fentinger Eck”, der Kreuzstraße, die nach Fentingen und Bettemburg abzweigt, anlangten, warf einer der Knaben das Geschoss zu Boden, das sofort explodierte und die unvorsichtige Schar zu Boden schmetterte. Hierbei trug Veisse durch Splitter schwere Verletzungen an beiden Beinen sowie eine stark blutende Wunde an der Wange davon; Hoffmann erlitt eine sehr schwere Beinverletzung; dem Jacoby wurde u. a. ein Fuß abgetrennt; Jeanny Schütz hatte außer Kopfverletzungen den Verlust eines Fingers sowie schwere innere Verletzungen zu beklagen. Ady und Flavie Deville waren leichteren Kaufs davongekommen. Das amerikanische Militär brachte im Ambulanzwagen die 4 ersten schwer verletzten Kinder in ein Lazarett nach Esch-Alz., doch dürfte an ihrem Aufkommen gezweifelt werden; einem der unvorsichtigen Kinder war der Leib aufgeschlitzt worden. Außerdem war die Ehefrau eines pensionierten Eisenbahnbeamten, die zur Zeit des Unfalles am Unglücksorte passierte, von einem Splitter getroffen worden. Die Frau wurde in die Theresienklinik nach Luxemburg überführt, wo sie operiert, werden musste. Schließlich waren infolge der Explosion die Fensterscheiben an den dort gelegenen Häusern Joh. Haendel und J. P. Bosch zerstört worden. Gestern morgen ließ unsere Gemeindeverwaltung durch öffentliches Ausschellen bekannt geben, dass den Kindern unserer Gemeinde jeder Umgang mit der amerikanischen Heeresverwaltung untersagt ist; auch dürfen Kinder sich nach 6 Uhr abends nicht mehr auf der Straße zeigen. — Wie uns bei Redaktionsschluss gemeldet wird, sind von den sechs Kindern drei in der Escher Klinik ihren Verletzungen erlegen.

Todesopfer:

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HOFFMANN Armand
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SCHILTZ Anne/Jeanne
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VEISSE Jean/Pierre
Quellenangaben:

Luxemburger Wort, 10.11.1944

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